farbstichiges Weiß, an welchem Parameter erkennt man es?

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Moderator: T.Hoffmann

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Do, 22.01.15, 15:37

In letzter Zeit habe ich mich mal wieder häufiger über farbstichiges Weiß diverser LED-Leuchtmittel geärgert:
- i-Glow E27-Tropfen mit 5,5 W / 500 lm aus Norma - Aktion letzte Woche: übelstes Grün-Gelb (kein Meßprotokoll vorhanden)
- mehrere Glühfaden-LEDs von v-Tac und Müller, ziemlich Grün-Gelb, Müller etwas schlimmer als v-Tac (Meßprotokolle fast aller Müller-Modelle bei ELV, Beispiel: http://files.elv.de/Assets/Produkte/11/ ... mpe_mp.pdf)
- CRI-90-Leds L36 und L54 von Melitec die L55 scheint die gleiche Platine wie die L54 zu haben: http://fastvoice.net/wp-content/uploads ... pe-E27.pdf): rotstichig


Subjektiv beurteile ich den den Farbstich mit einer Stehlampe mit weißem Schirm anhand des an die weiße Wand fallenden Streulichts. Man braucht noch Referenzlicht auf einem benachbarten Wandabschnitt. Das geht trotz der abweichenden Temperatur ziemlich gut mit Tageslicht, noch besser mit einer gut ausbalancierten warmweißen Quelle (Glühlampe oder gut ausbalancierte LED). Interessanterweise sorgt stichiges Licht auch für eine entgegengesetzte Verschiebung der Referenzquelle. Gelb-grünes Licht läßt eine ausgeglichene Lichtquelle rötlich erscheinen und umgekehrt.

Subjektiv finde ich einen Stich in der Weißwiedergabe deutlich schimmer als z.B. einen R9 von nur 10%.


Im CIE1931-Farbraum sollte das Weiß stichtig erscheinen, wenn der Farbort oberhalb oder unterhalb der Schwarzkörperkurve liegt. Allerdings habe ich den Verdacht, dass die in den verlinkten Meßprotokollen angegebenen Farborte nur der Farbort der CCT sind, also des nächstgelegenen Punkts auf der Schwarzkörperkurve.
Ich habe mir die Farborte diverser ELV-Protokolle händisch in das CIE1931-Diagramm auf Wikipedia eingetragen, und es lag immer genau auf der Kurve. Bei Fastvoice liegen die Farborte auch fast immer genau auf der Kurve, manchmal auch weniger als die Strichdicke des im Protokoll eingezeichneten Protokolls drunter, und zwar sowohl für die bei mir rötliche Melitec als auch für Lampen, denen im Text ein Grünstich nachgesagt wurde. Dies könnte ein Problem mit Rundung oder Näherung sein.

Ist mein Verdacht richtig, dass die angegebenen Farborte nur die der CCT sind? (Als einzige alternative Erklärung fällt mir ein, dass nur handverlesene Exemplare vermessen wurden, was mir bei Fastvoice, die durchaus auch Lampen bei Aldi oder Ikea im Laden einkaufen, unwahrscheinlich vorkommt.)

Wenn mein Verdacht stimmt, woran kann ich dann den Farbstich anhand des Meßprotokolls erkennen, ohne gleich die SPD einzulesen?
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Achim H
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Do, 22.01.15, 17:47

Nur eine Vermutung:
Könnte die Farbverschiebung nicht auch vom Glas kommen? Glas ist immer leicht grünlich. Je nach Dicke des Glases nur eine Hauch.
Wenn Licht von der Led oder dem Filament abgestrahlt wird, muss es durch die Glashaube durch und wird möglicherweise dort verfälscht.
Der CRI bezieht sich auf die Led oder das Filament, nicht auf die Lampe, in die dieses Komponenten eingebaut wurden.

Falls ich recht habe, müsste man das nachweisen können, indem man ein reinweißes Licht einer Punktlichtquelle (Spot) durch das Glas eines Leuchtmittel gegen eine weiße Fläche (Wand) projeziert. Da das Licht hier 2 Schichten des Glases passiert, müsste der Grünstich deutlich sein.
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Do, 22.01.15, 18:13

Glaube ich nicht:
- Filamentbirnen und normale verwenden die gleichen Kolben
- Fensterglas hat bei 0,5 mm Dicke im Spektrometer im VIS keinen signifikanten Farbgang
- die Meßprotokolle wurden ja auch an LED-Leuchtmitteln mitsamt Kolben oder Streuhaube gemacht
t_schulz
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Fr, 23.01.15, 08:42

Die Farborte, die für ein Serienprodukt angegeben werden, können nur ein statistisches Mittel sein.
Seriös misst man eine aussagekräftige Menge, bildet den Mittelwert und gibt die Standardabweichung an. Bei Farborten können das auch Vielfache von MacAdams Ellipsen sein. Dazu sollten auch die Messbedingungen angegeben sein, da der Farbort sich zum Beispiel mit der Temperatur verändert.

Man kann wissenschaftlich nicht ganz so korrekt auch das Leuchtmittel ( um ganz unkorrekt zu werden nur eins :lol: ) vermessen, die korrelierte Farbtemperatur errechnen und davon den Farbort auf der planckschen Kurve suchen.

Über die Varianz lässt sich zumindest bestimmen mit welcher Wahrscheinlichkeit man welchen Farbort bekommt. Natürlich nur, wenn die Angaben im Datenblatt etwas mit der Realität zu tun haben.

Zum subjektiven Eindruck:
Die Farbwahrnehmung des Menschen ist stark adaptiv. Eine Weile in einer sehr rosa Umgebung führt dazu, dass echtes Weiß (auf der planckschen Kurve) als grün empfunden wird.
Unterschiede kann man ganz gut wahrnehmen, aber nur innerhalb der von Mac Adam beschriebenen Grenzen. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Wahrnehmungen verschiedener Exemplare der Spezies Mensch.
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