KSQ <100mA, bis zu 70V

Anleitungen für "hausgemachte" LED Projekte

Moderator: T.Hoffmann

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dieterr
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So, 18.12.16, 17:32

Hallo, ich hatte hier viewtopic.php?f=31&t=7370&start=50#p206355 ja schon angekündigt, einen Meanwell APC-25-350 auf einen deutlich niedrigeren Ausgangsstrom umzubauen. In Original hat das Teil laut Datenblatt eine Ausgangsspannung 25 - 70V, bei 350mA und 83% Wirkungsgrad.

Bei mir hat es sich eben leider so ergeben, dass ich eine KSQ mit deutlich weniger Strom als den üblichen 350mA gebraucht habe. Trotz intensiver Suche war aber bei max. 54V dann immer Schluß. Mit obiger KSQ geht es bis 70V, mit dem APC-35-350 dann sogar bis 100V. Wer dann immer noch mehr braucht, sollte aber dann doch vielleicht einen Aufbau mit mehreren Strängen planen.

Als Vorwort:
Logischerweise gilt dasselbe wie für alle Umbauten, bei denen ein verschweißtes Netzteil geöffnet werden muss: keine Garantie, nicht vom Hersteller, aber auch nicht von mir. Und ebenso natürlich: die 230V-Seite sollte KOMPLETT abgeklemmt sein. Der Umbau erfolgt zwar auf der Sekundärseite, aber bitte lass es wenn du nicht genau weißt was du da tust.

Öffnen des Gehäuses: ist leider nicht ganz so einfach wie beim EagleRise Netzteil. Die Ober- und Unterschalen sind vollständig miteinander verschweißt. Ich habe die beiden Hälften mit der Dremel-Kleinsäge an der Nahtstelle aufgetrennt.

Achtung: direkt hinter dem Kunststoffgehäuse befinden sich schon Bauteile, deshalb nicht zu tief schneiden sonst werden diese möglicherweise beschädigt.
IMG_1974_1.JPG
Und was man auch ganz schön sieht: Meanwell geizt nicht mit Bauteilen, was sich u.a. in der guten Ausregelung bemerkbar macht. Richtige Vergleiche habe ich nicht gemacht, aber als Sekundärlast reicht in dem Fall ein einfacher Widerstand (siehe hier: viewtopic.php?f=35&t=21789).

Auf der Platinenunterseite ist das für uns relevante Bauteil montiert: der SMD Widerstand R100 / 0.1 Ohm, in der Bauform 2512.
IMG_4398_1.JPG
Der muss entlötet werden, auch hier gilt: bleifreies Lot, mit bleihaltigem Lot umlegieren senkt die Löttemperatur und macht das Entfernen einfacher. Ich habe zum Entfernen des Lots eine Enlötpumpe benutzt, aber auch Entlötlitze sollte funktionieren. Erst das Lot auf beiden Seiten entfernen, dann mit etwas Wärme und Kraft auch die Klebung in der Mitte.

Bei meiner Serie war hier ja ein Widerstand 0.1 Ohm (R100) verbaut. Die Regelung ist so aufgebaut, dass über den Widerstand immer 0,035V abfallen, also hier einen Konstantstrom von 350mA ergeben. Mein Ziel war etwas unter 100mA, also habe ich testweise 2 Stück 1 Ohm Widerstände parallel aufgelötet, entsprechend 0.5 Ohm. Das sollte einen Strom von 70mA ergeben, gemessen habe ich mit 820Ohm Last 56,5V und einen Strom von 76mA. Laut Ohmschem Gesetz passt das auch mit Fehlertoleranzen zwar nicht ganz zusammen (rechnerisch würde sich ein Strom von 69mA ergeben, vorrausgesetzt Spannung ist richtig gemessen und Widerstand stimmt), ist aber dennoch OK für mich.
IMG_1973_1.JPG
In Betrieb liegt die Gesamtleistungsaufnahme bei 6.1W, ich komme also auf einen elektrischen Wirkungsgrad von 65%. Das ist eigentlich nicht sooo schlecht, bedenkt man dass das Netzteil bei nur 25% seiner Nennlast läuft.

Diese Art von Umbau sollte bei allen Meanwells möglich sein, die laut Datenblatt folgendermaßen aufgebaut sind:
Bildschirmfoto vom 2016-12-16.png
Den jeweiligen Shunt auf der Platine auszumachen ist die größte Schwierigkeit, aber wie in meinem Fall löst sich das Problem dann über die unterschiedliche Bauform.

Und, meinem eigentlichen Ziel 10 bzw. 12 St. NF2L385AR seriell bei ~80mA zu betreiben bin ich damit ein ganzes Stück näher. Doch davon ein anderes Mal :)
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Achim H
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So, 18.12.16, 21:34

die 230V-Seite sollte KOMPLETT abgeklemmt sein.

Man sollte auch stets bedenken, dass Kondensatoren noch geladen sein könnten. Daher sollte man diese mit einem etwas dickeren Kupferdraht (>1,5mm²) oder einem Werkzeug kurzschließen. Der oben verbaute 47µ/420V Kondensator könnte in einer 1/1000Sek einen Strom von fast 20A abgeben. Das zwickt nicht mehr, das tut schon ordentlich weh.
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